Sonne, Strom, Unabhängigkeit: Photovoltaik-Anlagen auf dem eigenen Dach sind aktuell sehr gefragt. Die Verbraucherzentrale Bayern vermeldet einen Run auf die Beratungsstellen. Die Auftragsbücher der Energieberater und Installateure sind voll. Materialien für PV-Anlagen sind wegen des Krieges in der Ukraine und der enormen Nachfrage aktuell schwer zu bekommen. Netzbetreiber wie Stadtwerke erleben einen Antragssturm.

Der Weg zur eigenen Photovoltaik-Anlage: Ein Pfaffenhofener berichtet

Hausbesitzer Eike Jacobi aus Pfaffenhofen an der Ilm hat schon lange von einer eigenen Photovoltaik-Anlage für seine Familie geträumt. Lange Zeit hat er sich aber nicht getraut. Doch durch die immer weiter steigenden Energiepreise nahm der 50-Jährige das Projekt „Photovoltaik-Anlage auf dem Dach“ schließlich in Angriff. Die Installation selbst war kein Problem. Ein Energieberater übernahm die aufwendigen Formalitäten für die Anträge. Aber dann musste er monatelang warten, bis seine Anlage ans Netz ging. Die zuständigen Stadtwerke kamen nicht hinterher. Eike Jacobi war genervt und frustriert. „Die PV-Anlage war auf dem Dach, der Speicher im Keller. Wir hätten schon längst Strom produzieren können.“ Stattdessen musste der Familienvater immer wieder mit dem Netzbetreiber telefonieren und Mails verschicken.

Energy Sharing: Regionale Strommärkte für alle

Eike Jacobi hatte noch Glück. Mittlerweile ist es noch schwieriger geworden, eine eigene PV-Anlage auf dem Dach zu bauen. Hinzu kommen die Kosten. Rund 19.000 Euro hat der Pfaffenhofener bezahlt. Selbst wenn sich bei ihm die Investition nach gut zehn Jahren rechnet: Viele in Bayern können sich Solarstrom auf dem eigenen Dach nicht leisten.

Dabei gäbe es dafür eine Lösung: Energy Sharing – Energie teilen. Gemeinschaften erzeugen dabei ihren eigenen Strom, verkaufen ihn sich gegenseitig und verbrauchen ihn entsprechend. Das Bündnis Bürgerenergie Bayern setzt sich seit Jahren dafür ein. „Immer dort, wo man Strom verbraucht, sollte er auch erzeugt werden. Das ist der kürzeste Weg“, sagt Bündnismitglied Markus Käser. Es entsteht ein kleiner lokaler Markt. „Energy Sharing ermöglicht einen beschleunigten und naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien unter Beteiligung möglichst vieler Menschen“, heißt es in einem offenen Brief vom 9.3.22 von über 30 Umwelt-und Bürgerenergieverbänden sowie Unternehmen an die Bundesregierung.

Gemeinschaftsstrom für Häuser, Straßen und Kommunen

Dabei sind alle Energie-Gemeinschaften denkbar: Ein Mehrfamilienhaus, eine Straße, eine Siedlung oder eine ganze Kommune. Das Modell „Energy Sharing“ hat die EU bereits 2019 in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie aufgenommen. Deutschland hat es aber noch nicht umgesetzt. Das Bündnis Bürgerenergie Bayern fordert Berlin auf, Energy Sharing endlich zu ermöglichen und plant, Crowdfunding-Plattformen aufzulegen. „Wir bereiten uns jetzt schon vor, um jedem zu ermöglichen, mitzumachen, wenn es dann in Deutschland möglich ist“, so Markus Käser vom Bündnis Bürgerenergie Bayern.

Berlin kündigt Erleichterungen für PV-Anlagen und Förderung an

Das zuständige Bundeswirtschaftsministerium teilt auf BR-Anfrage mit: Mit einem neuen Gesetz (EEG-Novelle), das zum 1. Januar 2023 in Kraft treten soll, sei ein ganzes Bündel von Maßnahmen für Photovoltaik vorgesehen. Dazu gehöre auch, bürokratische Hürden abzubauen und den Prozess zu vereinfachen. Zusätzlich ist geplant, ein Förderprogramm aufzulegen, um Bürgerenergiegesellschaften, also Energy Sharing, in der Projektierungsphase von finanziellen Risiken zu entlasten.

Das Sonnenland Bayern könnte davon profitieren. Eike Jacobi aus Pfaffenhofen ist jetzt schon glücklich mit seiner Photovoltaik-Anlage. Er und seine Familie freuen sich jeden Tag zu sehen, wie viel Strom produziert wird.