Ökologische Energiegewinnung
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Rheinbach könnte eine Energiegenossenschaft bekommen

Nach dem Willen aller Ratsfraktionen soll Rheinbach einer Energiegenossenschaft bekommen. Das plant die Kommunalpolitik.

Dezentral, konzernunabhängig und ökologisch Energie gewinnen, das ist die Idee einer Energiegenossenschaft. Und nach dem Willen aller Ratsfraktionen soll es eine solche auch in Rheinbach geben. Gemeinsam haben die Fraktionen einen entsprechenden Antrag auf die Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Rheinbacher Ausschusses für Stadtentwicklung und Bauen gebracht.

„Die Idee schwebt schon lange“, sagte der Ausschussvorsitzende Georg Wilmers (SPD). Da der Antrag ein gemeinsamer Vorstoß aller Fraktionen ist, verwundert es nicht, dass Ausschuss ihn einstimmig annahm – als Empfehlung zur Beschlussfassung an den Stadtrat, der sich am Montag, 20. Juni, damit befassen wird. Ein positives Votum dürfte Formsache sein.

Informationsveranstaltung für die Bürger geplant

Damit käme Arbeit auf Bürgermeister Ludger Banken zu. Denn er soll laut Antrag gemeinsam mit allen Ratsfraktionen eine Informationsveranstaltung für die Bürger auf die Beine stellen und dafür Experten einladen, zum Beispiel von den Bürgerwerken, dem Genossenschaftsverband, der Bürgerenergie Rhein-Sieg und der Eifel-Energiegenossenschaft. Dabei soll es auch darum gehen, die Vorteile von Windenergie für die Region zu erläutern. Weiterhin soll die Stadtverwaltung prüfen lassen, ob es sinnvoller ist, sich einer bestehenden Energie-Erzeugungs-Genossenschaft anzuschließen oder eine eigene Genossenschaft zu gründen.

Wenn dann eine Entscheidung für eine der beiden Varianten getroffen wurde, soll die Stadt über die vertraglich geregelte Nutzung von Flächen gemäß Antrag „Photovoltaik für städtische Gebäude“ vom 30. November 2021 verhandeln. Dieser Antrag bezieht sich auf das „Konzept für Erneuerbare Energien“ von November 2013, in dem angeraten wird, die Ausbaurate mit Photovoltaik auf städtischen Gebäuden „durch eigene Investitionen oder Überlassung für Bürgerenergiegemeinschaften“ zu erhöhen. Schon damals war also die Gründung einer Genossenschaft als Gedankenspiel präsent.

Sonnen- und Windenergie im Fokus

Genossenschaftliche Energiegewinnung soll es also sowohl für Sonnen- als auch für Windenergie geben, und die Stadt würde sich auch mit den eigenen Gebäuden anschließen. Außerdem soll versucht werden, Unternehmen und Organisationen in Rheinbach ins Boot zu holen. Und natürlich möglichst viele Bürger, die Kapital beisteuern und damit zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes beitragen können. Angesichts hoher Öl- und Gaspreise könnte das Interesse an diesen regenerativen Energie-Alternativen groß sein.

Wenn es um Photovoltaik auf Hausdächern geht, könnten die Beteiligten laut Wilmers auch direkt von der Stromerzeugung profitieren. Bei Windkraft sei das schwieriger. Aber da könnte man stattdessen auf eine Dividende aus dem Betrieb eines Bürgerwindrades hoffen. Dafür könnte er sich zum Beispiel eine städtische Fläche im Wald vorstellen, auf der zuletzt viele abgestorbene Fichten hätten gefällt werden müssen. Mit den drei Windkraftanlagen, die zwischen Meckenheim und Rheinbach errichtet werden sollen, habe das aber nichts zu tun, so Wilmers.

Was Energiegenossenschaften so machen

Es gibt verschiedene Ausgestaltungsmöglichkeiten für Energiegenossenschaften. So will die Bürgerenergie Rhein-Sieg eine Windkraftanlage mit drei Windrädern in der Eifel übernehmen und betreiben, bewirbt Photovoltaik und organisiert Carsharing. Die Eifel-Energiegenossenschaft mit Sitz in Wiesbaum bei Blankenheim betreibt Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Region und zahlt den Hauseigentümern dafür eine Pacht.